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Zwischen Sackgasse und Energiewende:
Eine sozial-ökologische Mehrebenenanalyse transnationaler Biokraftstoffpolitik

Workshop zur „Quantifizierung von Treibhausgasemissionen aus indirekten Landnutzungsänderungen (ILUC)“

Am 25. April 2012 führte das Projekt „Fair Fuels?“ einen Workshop zur Quantifizierung von Treibhausgasemissionen aus indirekten Landnutzungsänderungen durch. Das Thema dominiert seit einigen Jahren die öffentliche Debatte um die Förderung von Biokraftstoffen, da Biokraftstoffe bei Berücksichtigung dieser Effekte unter Umständen mehr Schaden anrichten als ihre fossilen Pendants. Im Projekt „Fair Fuels“ behandelt Elisa Dunkelberg die Quantifizierung von ILUC im Rahmen der Arbeiten in Baustein 4.

Fortschritte in der Wissenschaft

Am Vormittag der Veranstaltung führte Uwe Fritsche (IINAS) mit seinem Vortrag in das Thema ein. Herr Fritsche stellte verschiedene ILUC-Quantifizierungsansätze vor, erläuterte die Schwierigkeiten bei der Modellierung und gab einen Überblick über den aktuellen Stand der politischen Debatte.

Im Anschluss ging Professor Matthias Finkbeiner (TU Berlin) auf die Herausforderungen für eine konsistente Integration von ILUC in den Carbon Footprint und das Life Cycle Assessment ein. Er betonte die Inkonsistenz, dass mit ILUC nur einer von zahlreichen indirekten Effekten herausgegriffen und in die Bilanzierung einbezogen wird. Dies sei das Ergebnis politischer Prozesse, lasse sich methodisch jedoch nicht begründen.

Mareike Lange (IfW Kiel) beschrieb in ihrem Vortrag den aktuellen Stand der ökonomischen Modellierung in Bezug auf die Quantifizierung von ILUC und zeigte Möglichkeiten und Grenzen der Methodik auf. Ökonomische Gleichgewichtsmodelle können zum Beispiel bei der Identifikation zentraler Einflussfaktoren einen Beitrag zur ILUC-Debatte leisten.

Elisa Dunkelberg (IÖW) stellte einen fallstudienbasierten Ansatz zur Quantifizierung von ILUC vor und ging auf Ergebnisse aus der „Fair Fuels?“-Fallstudie zu Malawi ein. ILUC durch den Zuckerrohranbau könnte dort durch Investitionen in Bewässerungssysteme vermieden oder zumindest gemindert werden.

Yalda Cikovani (TU Darmstadt) beendete die Vortragsreihe mit einem Beitrag zu einem deterministischen Modell zur Bewertung von ILUC im Rahmen des Life Cycle Assessment. Mit diesem neuen Ansatz erarbeiten Wissenschaftler/innen der TU Darmstadt, des KIT und der Universität Kassel Bioenergie-Szenarien für Deutschland und analysieren die ökologischen Wirkungen von ILUC.

Aktuelle Diskussionen

Am Nachmittag diskutierten die Teilnehmer/innen in Kleingruppen Fragen rund um das Thema ILUC.

Zunächst stand die Frage im Raum, welche Kriterien Quantifizierungsansätze aus wissenschaftlicher Perspektive erfüllen sollten. Als relevante Kriterien wurden insbesondere die Berücksichtigung regionaler Einflussfaktoren sowie die Berücksichtigung weiterer Umweltwirkungen neben dem Treibhausgaseffekt genannt. Transparenz und Nachvollziehbarkeit nannten die Teilnehmer/innen als wichtige Kriterien sowohl aus wissenschaftlicher als auch aus politischer Perspektive.

Anschließend beschäftigten sich die Gruppen mit weiteren indirekten Effekten, die neben ILUC bei der Bewertung von Biokraftstoffen berücksichtigt werden sollten. Die Bereitstellung von Nebenprodukten, Rebound-Effekte durch Änderungen in der Kraftstoff- oder Lebensmittelnachfrage sowie die Intensivierung der Agrarwirtschaft dominierten unter den genannten, vielfältigen Effekten.

Offen blieb zuletzt die Frage, ob mit steigender Komplexität der Modelle ein Mehrgewinn erzielt wird. Betont wurde in diesem Zusammenhang die Verantwortung der Wissenschaft: Es sei wichtig, die Ergebnisse solch komplexer Modelle, ihre Unsicherheit und ihre Eignung zur Politikformulierung transparent zu kommunizieren, um Abwehrreaktionen durch betroffene Akteure zu vermeiden und die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft zu erhalten.