Logo 'Fair Fuels?'

Zwischen Sackgasse und Energiewende:
Eine sozial-ökologische Mehrebenenanalyse transnationaler Biokraftstoffpolitik

Ausgangslage

Die Verarbeitung von Biomasse zu Kraftstoffen – Bio- bzw. Agrarkraftstoffe genannt – erlebt auf globaler Ebene ein rasantes Wachstum. Angesichts der Endlichkeit fossiler Energieressourcen sowie des Voranschreitens des Klimawandels ist die Biokraftstoffproduktion eine zentrale Komponente in dem Bestreben, eine globale Energiewende herbeizuführen. Biokraftstoffe sollen dazu beitragen, fossile Energiesysteme zu transformieren und gleichzeitig die Treibhausgasemissionen zu senken. In einer Vielzahl von Entwicklungs- und Schwellenländern führt diese Politik zusammen mit eigenen Wachstumsstrategien zu einer gesteigerten Herstellung von Biokraftstoffen nicht nur für den Eigenverbrauch, sondern auch für den Export nach Europa und Nordamerika.

Die Biokraftstoffproduktion ist jedoch mit einer Vielzahl sozialer und ökologischer Konflikte verbunden, die die Befürchtung schüren, diese Kraftstoffstrategie könne in eine Sackgasse führen bzw. nicht aus der fossilen Sackgasse herausführen: Nahrungsmittelkonkurrenz, Landnutzungswechsel, Enteignungen von Kleinbäuerinnen und -bauern sowie die Umwandlung von Primärwäldern und Schutzgebieten in Produktionsflächen. Zudem sind die Treibhausgasbilanzen der Kraftstoffe umstritten und Nutzen und Kosten sozial ungleich verteilt. Diesen Problemfeldern gegenüber stehen die Hoffnungen, diese Probleme nicht nur lösen, sondern über getätigte Investitionen gleichzeitig die ländliche Entwicklung in den produzierenden Länden fördern zu können. Als Argumente hierfür werden vorhandene Flächenpotenziale, die Chance der Lenkung durch geeignete politische Rahmenbedingungen wie Zertifizierungen und Standards sowie technologische Innovationen aufgeführt.

Gegenwärtig liegen erst wenige Analysen vor, die das Thema Biokraftstoffe in Bezug auf seine konfliktübergreifenden und transnationalen Wirkungen in interdisziplinärer Weise untersuchen. Hier setzt das Vorhaben „Fair Fuels?“ an.