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Zwischen Sackgasse und Energiewende:
Eine sozial-ökologische Mehrebenenanalyse transnationaler Biokraftstoffpolitik

Baustein 3: Fallstudie Subsahara-Afrika

Die bisherigen Auswirkungen des Biokraftstoff-Booms auf Subsahara-Afrika erfolgten bisher hauptsächlich indirekt durch globale Preisänderungen für andere Agrar- und Nahrungsprodukte. Als aktiver Stakeholder spielt Afrika beim weltweiten Ausbau der Biokraftstoff-Produktion bisher kaum eine Rolle. Das Produktionspotenzial für Biokraftstoffe ist jedoch zumindest in einigen Ländern Subsahara-Afrikas wesentlich größer als bisher nur annähernd realisiert. Neben einigen älteren Biokraftstoffanlagen aus den 1980ern, sind in jüngeren Jahren vielfältige neue Ansätze zur Realisierung dieses Potenzials entstanden, die sich größtenteils jedoch noch in der Planungs- und frühen Realisierungsphase befinden.

Mit einem möglichen Rollenwechsel afrikanischer Staaten zu aktiven Teilnehmern einer globalen Biokraftstoffproduktion ergeben sich zahlreiche Chancen und Risiken für die dortigen Gesellschaften und Ökosysteme. Während kleinflächige Biokraftstoffproduktion zur Lösung dezentraler Energieprobleme nur wenige Risiken mit sich bringt, sind großflächige, zumeist export-orientierte Ansätze agroindustrieller Biokraftstoffproduktion höchst umstritten. Gleichzeitig wird ihnen allerdings auch ein besonders großes Potenzial für die Entwicklung ländlicher Räume Subsahara-Afrikas nachgesagt, da sie Elemente bieten, die Subsahara-Afrika im internationalen Wettbewerb nur selten aufweist (z.B. moderne Technologien und gutes Management in Produktion und Verarbeitung). Aufgrund der starken Verbreitung von Armut und Unterernähung im ländlichen Raum und der Bedeutung der Landwirtschaft als Haupteinnahmequelle für einen Großteil der Bevölkerung, haben die sozio-ökonomischen Auswirkungen agroindustrieller Biokraftstoffproduktion daher eine besondere Bedeutung.

Dieser Baustein widmet sich den Fragen, wie sich eine Ausweitung der Biokraftstoffproduktion auf Armut und Ernährungssicherheit im ländlichen Raum auswirkt und sich die Vulnerabilität der ländlichen Bevölkerung durch die strukturellen Veränderungen in Einkommensquellen und Nahrungsmittelmärkten verändert. Insbesondere wird dabei der Frage nachgegangen, in wie fern unterschiedliche Anbauarrangements und Beschäftigungsverhältnisse (Vertragsanbau oder Beschäftigung auf Plantagen), unterschiedliche Rohstoffe und institutionelle Rahmenbedingungen diese Wirkungen beeinflussen.

Folgende Aspekte sollen daher analysiert werden:

  • Effekte auf Einkommen, Armutsniveau und Nahrungsmittelproduktion von direkt teilnehmenden (Vertragsbauern und Plantagenarbeiter) und indirekt beeinflussten Haushalten (durch Spillover- und Multiplikatoreffekte und Exklusion).
  • Effekte auf Nahrungsmittelkonsum und Ernährungssicherheit auf Haushalts- und individueller Ebene, sowie der Veränderungen der Vulnerabilität ländlicher Bevölkerungen.


Die empirische Arbeit konzentriert sich dabei auf spezifische ländliche Regionen in zwei Ländern Subsahara-Afrikas (voraussichtlich Ghana und Mosambik oder Malawi). Als Grundlage dienen hierfür existierende agroindustrielle Investitionen in Anbau und Verarbeitung von Rohstoffen, die auch für eine agroindustrielle Biokraftstoffproduktion in Frage kommen – insbesondere Zuckerrohr und/oder Ölpalmen. Umfragen werden auf Dorf-, Haushalts- und individueller Ebene in Regionen mit und ohne agroindustrielle Investitionen durchgeführt und anhand quantitativer und qualitativer Methoden verglichen.

Neben dem Kernziel, der Analyse lokaler Wirkungen der Biokraftstoffproduktion auf Armut, Ernährungssicherheit und Vulnerabilität in Subsahara-Afrika, liefert der Baustein zudem Beiträge zu anderen Projektkomponenten (z.B. Standards und Zertifizierungen in Subsahara-Afrika).