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Zwischen Sackgasse und Energiewende:
Eine sozial-ökologische Mehrebenenanalyse transnationaler Biokraftstoffpolitik

Baustein 4: Umweltbewertung ausgewählter Biokraftstoffe und alternativer Bioenergienutzungsformen

Zentrales Streitthema in der Debatte um die Förderung von Biokraftstoffen sind die mit ihrer Produktion und Nutzung einhergehenden Umweltwirkungen. International anerkannte und durch die ISO 14040ff standardisierte Methode zur Umweltbewertung ist die Ökobilanz bzw. Lebenszyklusanalyse. Bestehende Studien zur Umweltbewertung von Biokraftstoffen fokussieren meist auf die Treibhausgasbilanz, wobei die Integration von indirekten Landnutzungsänderungen (ILUC) in die Bilanz methodisch noch nicht geklärt ist. ILUC treten durch Verdrängung von Nahrungs- oder Futtermittelanbau auf, was bei einer Verlagerung des Anbaus auf ökologisch wertvolle Flächen (tropischer Regenwald, Moore) mit einer Freisetzung von im Boden gespeicherten CO2 einhergeht. Derzeit werden verschiedene Ansätze zur Integration dieses Effekts in die Bilanz erarbeitet, die Europäische Kommission plant bis Ende des Jahres 2010 einen Bericht zur Berücksichtigung von ILUC in der EU Richtlinie 2009/28/EG zu veröffentlichen. Vermutlich soll ein sogenannter ILUC-Faktor in die Treibhausgasbilanz integriert werden.

Andere wichtige Aspekte wie der Wasserverbrauch sowie Auswirkungen auf die Biodiversität werden in Ökobilanzen häufig vernachlässigt. Zentrale Forschungsfrage ist deshalb: Wie fällt die ökologische Bewertung ausgewählter Biokraftstoffe aus, wenn ILUC in die Treibhausgasbilanz sowie bislang untergeordnet betrachtete Kategorien in die Ökobilanz einbezogen werden? Die Ansätze zur Quantifizierung der ILUC sowie ihre Integration in politische Regelungen werden während der Projektlaufzeit kritisch verfolgt und ihre Eignung im konkreten Anwendungsfall überprüft. Gegebenenfalls werden die methodischen Ansätze weiterentwickelt. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie verschiedene Biokraftstoffe im Vergleich zueinander zu bewerten sind. Dabei sind der Vergleich von Biokraftstoffen der 1. mit denen der 2. Generation sowie der Vergleich von heimischen mit importierten Biokraftstoffen von Relevanz. Bei der Auswahl der importierten Biokraftstoffe werden in den Fallstudienländern Brasilien und Afrika relevante Rohstoffen wie Soja, Zuckerrohr und Palmöl fokussiert. Aus den Ergebnissen dieses Bausteins sollen politische Empfehlungen abgeleitet sowie für Zertifizierungssysteme relevante Aspekte herausgearbeitet werden.